Archiv der Kategorie '(neue) bücher/zeitschriften'

Nancy Fraser gegen den progressiven Neoliberalismus

In den Blättern für deutsche und internationale Politik 2/17 findet sich ein äußerst instruktiver Text von Nancy Fraser. Sie zeigt, warum es für die dringend notwendige Erneuerung der Linken einen Bruch mit dem „progressiven Neoliberalismus“ braucht. Ihr Blick ist dabei zwar einer von oben, d.h. soziale Bewegungen und Klassenkämpfe existieren wenn, dann nur als Fußnogen. Dennoch benennt sie zentrale Parameter linker Erneuerung: Sie muss die soziale Frage ins Zentrum rücken und den Bruch mit den neoliberalen Varianten von Diversitäts- und Antidiskriminierungspolitik wagen, ohne den Kampf gegen Rassismus und Sexismus aufzugeben; vielmehr ist dieser Bruch erst die Voraussetzung für ein erfolgreiches umfassendes Linkes Projekt. Dass die Organisationsfrage und das Verhältnis von Organisationen und sozialen Massenbewegungen unterbelichtet bleibt, ist zwar ein Problem, beschädigt aber ihre Argumente nicht.

Nancy Fraser: Für eine neue Linke

Neue PROKLA zu „Religion, Politik & Ökonomie“

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Prokla“ beschäftigt sich auf vielfältige Weise mit dem Verhältnis von Religion bzw. Religiosität zu Politik und Ökonomie. Außerdem findet sich in der Ausgabe die bedenkenswerte Antwort von Mario Candeias auf Dario Azzellini zur Frage des Verhältnisses von linken Parteien und sozialen Bewegungen. Hier das Editiorial.

Oscar Romero – presente!

„Romero explicitly stood with the poor and vulnerable against the wealthy and powerful, and demanded that his followers do the same. In words and deeds, Romero professed his faith not just in the teachings of the church, but in the values he hoped would come to shape his country. He advocated a radical society for El Salvador that placed the abolition of social injustice, economic inequality, and violence at the center of spiritual practice.“
Guter Artikel in „Jacobin“ über die Heiligsprechung des 1980 ermordeten linken Bischofs Romero, und warum es gut wäre, sich im heutigen El Salvador nicht nur an sein spirituelles, sondern auch an sein sozialrevolutionäres Wirken zu erinnern.

Kommunistische Moderne statt Integration. Badiou im Interview

„Mein Vorschlag ist die kommunistische Moderne, die nicht die Diktatur des Privateigentums bedeutet.“ Gutes Interview mit Alain Badiou in der Zeitschrift „Freitag“, über Rechtspopulismus, die Flüchtlingsfrage und „den Westen“.

Das Kommunistische – inkl. download!

Soeben ist im VSA-Verlag ein feines Buch erschienen: Das Kommunistische – oder: Ein Gespenst kommt nicht zur Ruhe. Die AutorInnen Bini Adamczak, Lutz Brangsch, Michael Brie, Massimo De Angelis und Friederike Habermann loten dabei die historischen & theoretischen Parameter des „Kommunistischen“ aus, vom Urkommunismus bis zur PKK, von der Sowjetuntion bis zur Commonsdebatte! Und das Beste ist: Das Buch ist als freier Download erhältlich! Ein kleiner Vorschein auf den kommenden Kommunismus …

Für eine „ultraeuropäische“ linke Offensive …

„Die griechische Niederlage ist in Wahrheit eine Niederlage der europäischen Linken gewesen und verweist insofern auf die Notwendigkeit einer kontinentalen Offensive – nicht auf die Notwendigkeit einer Renationalisierung linker Strategie.“
Sandro Mezzadra und Mario Neumann zeichnen in der Zeitschrift „Luxemburg“ die Eckpunkte einer europäischen Perspektive der Linken.

Bauhaus? Beinhaus? Benjamin unlimited!

Der sowieso supertolle Blog The Charnel-House mit dem supertollen Untertitel „From Bauhaus to Beinhaus“ ist jetzt noch toller, weil er nämlich Walter Benjamins Gesammelte Schriften auf Deutsch und Englisch zur Verfügung stellt! Wissensteilung galore!

Wir haben es satt! Zeitung zur Agrarwende

Das agrarpolitische Bündnis „Wir haben es satt“ hat im Februar die Agrarwende eingeläutet – und eine feine Zeitung, die „BauernPost“ präsentiert, die aus der Perspektive des Jahres 2020 aufzeigt, wie eine solidarische, demokratische und zukunftsfähige Landwirtschaft auf den Weg gebracht werden kann!

Über Christoph Türckes Philosophie der Geldes

„Gibt es in der marxistischen Geldtheorie möglicherweise einen blinden Fleck? Christoph Türcke möchte den Marxismus um eine Analyse unseres „kollektiven Trieblebens“, das sich aus der Logik des Geldes heraus ergibt, ergänzen.“

Fabian Schwitter auf theoriekritik.ch über Christoph Türckes „Mehr! Philosophie des Geldes“!

Lefebvres „Recht auf Stadt“ endlich auf Deutsch!

Henry Lefebvres grundlgender Text „Recht auf Stadt“ ist nun erstmalig in deutscher Übersetzung bei Nautilus erschienen! Übrigens: Die Nummer 60 der Zeitschrift dérive hatte ebenfalls einen Lefebvre-Schwerpunkt und sei an dieser Stelle ebenfalls ausdrücklich empfohlen!

Arbeit – Bewegung – Geschichte über Betriebsarbeit & Operaismus

Das Jahrbuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung heisst ab sofort „Arbeit – Bewegung – Geschichte“, die soeben erschienene Ausgabe hat den Schwerpunkt „Linke Betriebsintervention, wilde Streiks und operaistische Politik 1968 – 1988″ – und ist runderhum gelungen! Schwere Empfehlung für die (Entstehungs)Geschichte zweier der wichtigsten italienischen Organisatioen der radikalen Linken, „Il Manifesto“ und „Lotta Continua“ von Antonio Lenzi. Aber auch die anderen Beiträge & Buchrezensionen haben´s in sich! Pflichtlektüre für alle, die sich mit der „anderen ArbeiterInnenbewegung“ beschäftigen!

Als Volltext verfügbar ist Sebastian Kaspers Text über die Betriebsinterventionen der Sponti-Bewegung. In dem pdf findet sich auch das Inhaltsverzeichnis der Ausgabe!

Graebers „Bürokratie“ soeben erschienen

Soeben ist David Graebers neues Buch „Bürokratie. Die Utopie der Regeln“ bei Clett-Kotta erschienen. Die Zeischrift „Freitag“ hat eine hiermit empfohlene Themenseite eingerichtet!

Kritik des Säkularismus

Spannende Kritik von Ian Birchall am Mythos der (nicht nur französischen) laïcité im Jacobin!

Camilo Torres (1929 – 1965)

„Die Revolution ist also die Form, zu einer Regierung zu kommen, die die Hungrigen speist, die Nackten bekleidet, die Unwissenden unterweist, die also die Werke der Caritas, der Nächstenliebe nicht nur gelegentlich und vorübergehend, nicht nur an einigen wenigen, sondern an der Mehrheit unserer Nächsten erfüllt. Daher ist die Revolution für die Christen, die in ihr die einzige wirksame und umfassende Möglichkeit sehen, die Liebe zu allen Menschen zu verwirklichen, nicht nur erlaubt, sondern sie ist seine Pflicht.“

O-Ton Camilo Torres, aus einem Artikel von Adalbert Krims (etwas hinunterscrollen!), soeben erschienen in der Zeitschrift Kritisches Christentum (Nr. 394/395)
Heute vor 50 Jahren wurde der Priester und Revolutionär Camilo Torres bei einem Gefecht mit der kolumbianischen Armee getötet. Victor Jara hat ihm das Lied Cruz de Luz gewidmet.

Christoph Henning über Honneths Sozialismus

Ernüchternde Rezension von Christoph Henning über Axel Honneths „Die Idee des Sozialismus“ auf soziopolis.de. Auch mal gut zu wissen, was mensch nicht lesen muss …

Naturzerstörung & Massenarmut: Der Kapitalismus muss weg!

„Im Zuge der globalen Wirtschaftskrise von 2008 war es äußerst schnell und unbürokratisch möglich, »Rettungsschirme« in Milliardenhöhe für systemrelevante Banken auf Kosten von Millionen von Menschen bereitzustellen. Die Menschen und die äußere Natur, die von der Klimakrise betroffen sind, scheinen nicht als systemrelevant zu gelten. Das System der Kapitalakkumulation hat also Priorität. Es scheint so, als müsse man sich einer versachlichten, gottähnlichen Macht – der Macht der Kapitale – alternativlos beugen. Doch zumindest eines ist klar: Es gibt keine Alternativen zur Natur; es gibt auch keine Alternativen zur Ökonomie, aber es gibt Alternativen zur kapitalistischen Form der Ökonomie.“
Tolles Interview mit Athanasios Karathanassis, Autor des bei VSA herausgekommenen Bandes »Kapitalistische Naturverhältnisse. Ursachen von Naturzerstörungen – Begründungen einer Postwachstumsökonomie« in der Jungle World.

ak: Für einen neuen Antiimperialismus!

Spannender Text von Nadija Samour in der aktuellen analyse & kritik, in der die Autorin für einen erneuerten Ampiimperialismus plädiert!