Archiv der Kategorie 'care'

Soziale Offensive ist mehr als Umverteilung

Die Interventionistische Linke (IL) hab soeben einen Beitrag veröffentlicht: Für eine soziale Offensive. Solidarity for all
Darin wird die gegenwärtige Situation – vor allen in Deutschland – analysiert, nicht zuletzt die gegenwärtige Renaissance des Rassismus. Das „Neue Deutschland“ berichtet allerdings über eine Studie, die dem gegenüber auf eine relativ breite „humanistische Mehrheit“ schließen lässt.

Mein Hauptproblem mit dem Text sind allerdings die Schlussfolgerungen der IL, in denen eine Art programmatische Perspektive entworfen wird. In diesem zweiten Teil des Textes findet sich ein Plädoyer für eine offensive Politisierung der sozialen Frage. Allerdings wird diese primär unter dem Begriff der Verteilung bzw. Verteilungsgerechtigkeit verhandelt. Dem ist zwar prinzipiell nicht zu widersprechen, eine völlige Ausrichtung linker bzw. linksradikaler Politik entlang der Achse „Aneignung – Verteilung“ führt jedoch zu einer Ausklammerung der meines Erachtens zentralen Frage nach den Bedingungen (und Grenzen) der Produktion sozialen Reichtums. Dies ist aus zwei Gründen problematisch: Zum einen reduziert sich die Frage nach einem Systemwechsel in Richtung eines „Guten Lebens für Alle“ auf die Verteilung des bereits Produzierten und desartikuliert somit die grundlegende Frage nach der Sinnhaftigkeit kapitalistischer Produktion, zum anderen rückt die Frage nach den ökologischen Implikationen unseres Wirtschaftssystems aus dem Blick.

Eine soziale Offensive darf jedoch meines Erachtens weder auf die Beschränkungen unserer Umwelt (Stichworte: Klimawandel, Ressourcenverbrauch, Nahrungsmittelproduktion) als auch auf Fragen demokratischer Entscheidung über das „Ob“ und „Wie“ der Produktion von Gütern und (sozialen) Dienstleistungen (Stichwort: Produktion nach Bedürfnissen statt nach Profit, Veränderbarkeit von Bedürfnissen, Care-Revolution, gutes Leben ist mehr als Konsumieren, Commons) vergessen. Das bedeutet auch: Eine soziale Offensive muss die Kritik des Wachstumsfetischs auf die Tagesordnung setzen! Die politische Praxis der IL – ihre Auseinandersetzung mit Care-Arbeit, „Castor schottern“ oder „Ende Gelände“ – weist genau in diese Richtung und ist diesbezüglich den in „Für eine neue sozialen Offensive“ artikulierten Vorschlägen bereits voraus. Immerhin besser als umgekehrt.

Silvia Federici über die Entstehung des kapitalistischen Patriarchats!

„Wir betrachteten „Lohn für Hausarbeit“ als die ungerechte, ungleiche sozial-geschlechtliche Arbeitsteilung grundlegend destabilisierend und untergrabend. Im gewissen Sinne erfüllte es dieselbe Funktion, die die Revolte gegen die Sklaverei erfüllt hatte. Wir sagten immer, dass es einen wichtigen Unterschied zwischen dem Kampf der Sklav_innen für die Bezahlung ihrer Arbeit und dem Kampf der Arbeiter_innen für höhere Löhne gibt. Die Forderung „Lohn für Hausarbeit“ enthüllt eine ganze soziale Architektur, die extrem wirkmächtig darin war, die Spaltung zwischen Menschen zu erhalten und einem Teil von ihnen eine riesige Menge unbezahlter Arbeit zuzumuten.“

Yeah! kritisch-lesen.de hat ein Interview mit Silvia Federici übersetzt. Sozusagen als Nachtrag zum internationalen Frauenkampftag!

Silvia Federici: Caliban und die Hexe (Audio)

Wer damals die Caliban und die Hexe-Präsentation von Silvia Federici in Wien versäumt hat, es gibt einen feinen Audio-Mitschnitt (engl.)!

analyse & kritik-Sonderseiten zum Sol-Ök-Kongress

Ausgewählte Artikel zum Thema aus analyse & kritik:
http://akweb.de//themen/daten_commons.htm

Radical Practices of Collective Care (e)

„This is the blog of a collective research process investigating collective practices of care, reproduction and mutual aid as related to social movements. We are gathering examples of radical practices of caring, housing and food production Our work is based on a rota of research presentations (happening once a month) that feeds into this online toolbox.“
Die erste Session beinhaltete eine Präsentation über das Free Breakfast der Black Panther Party für Schulkinder sowie ein Skype-Gespräch mit einer Aktivistin von „Occupy Sandy“ (NY). Weitere sind geplant (siehe Blog!)
http://radicalcollectivecare.blogspot.co.at/

Solidarische Ökonomie Kongress 2013 in Wien!

Es ist soweit, das seeeeehr umfassende Programm des Sol-Ök-Kongresses in Wien (22.-24.2.) ist online! Go for it:
http://www.solidarische-oekonomie.at/index.php?option=com_programm&Itemid=81

Videointerview mit Silvia Federici zu „Caliban und die Hexe“ (e)

Hier ein ausführliches Videointerview mit Silvia Federici (nicht nur) zu ihrem Buch „Caliban und die Hexe“, gehostet vom wunderbaren labournet.tv, wo regelmässig aktuelle Filme zu aktuellen sozialen und Klassenkämpfen zu finden sind:
http://de.labournet.tv/video/6381/caliban-und-die-hexe#

Dalla Costa: Die Frauen und der Umsturz der Gesellschaft

Full Text des Klassikers von Mariarosa Dalla Costa aus 1972 ;)
http://www.klassenlos.tk/data/pdf/dalla_costa.pdf

The Commoner #15: Care Work and the Commons

Massive! Inklusive tollen (und raren!) historischen Texten, u.a. von Rosamaria Dalla Costa!
http://www.commoner.org.uk/index.php?p=114

Silvia Federici: Caliban und die Hexe

Out now! Auf Deutsch!
http://kritikundutopie.net/2012/12/18/soeben-erschienen-caliban-und-die-hexe-von-silvia-federici/

Kathi Weeks: The Problem with Work (full book)

Es geht los. Hier findet ihr das 2011 erschienene Buch von Kathi Weeks mit dem schönen Untertitel „Feminism, Marxism, Antiwork Politics, and Postwork Imaginaries“:
http://libcom.org/files/the-problem-with-work_-feminism-marxism-kathi-weeks.pdf

Als Hintergrundtext empfehle ich Kathi Weeks Text „In der Arbeit gegen die Arbeit leben“ aus den grundrissen:
http://www.grundrisse.net/grundrisse37/In_der_Arbeit_gegen_die_Arbeit.htm